Marcel Duchamp    Ankläger und [Kunst-]Terminator

Der Konzeptkünstler Marcel Duchamp (1887 - 1968) und der Erfolg "seiner" Readymades sind, im Hinblick auf die Auswirkungen und heutigen Spätfolgen und Effekte der modernen Kunst, sozusagen Meilensteine des (inhaltlichen) Verfalls und der Kapitulation des Künstlers vor dem Kapital. Eigentlich wollte Duchamp mit den Readymades u.a. die Abhängigkeit des Künstlers von der Gesellschaft verdeutlichen, und die (gewachsene) Sinnlosigkeit der Kunst aufzeigen. Es folgten bis heute ohne Unterlass Heerscharen von talentlosen, inhaltsschwachen, leider auch wenig unterhaltsamen Künstler-"Duchamp-Kopien", die ihre unterdurchschnittlichen Kreativleistungen mit der Kunstfreiheit "rechtfertigen". Genauer: Der Künstler hat keinen Erklärungsbedarf (nötig). Der Kunsthändler und Kurator schon. Beispiel: Da wird im 21.Jahrhundert aus einem gigantischen Sammelsurium aus Alltagsobjekten, Spielzeug, Werkzeugen, Altpapier und Müll (sehr großer Gerümpelberg im Museum) des Künstlers Jason Rhoades (1965 -2006) folgendes:

"Jason Rhoades überwältigt und verwirrt den Betrachter mit akkumulativen Installationen über eine ganzheitliche Inbeziehungsetzung, die neben den kognitiven, diskursiven oder intellektuellen Aufnahme- und Wiedererkennungskapazitäten gleichermaßen die psychische Wahrnehmung beansprucht... die unmittelbare Wiedererkennung der Gegenstände aus dem Alltag ist gekoppelt mit ausufernden intellektuellen, mythologischen, persönlichen Erkenntnismodellen." [Worthülse(n) aus 'DAS KANN ICH AUCH Gebrauchsanweisung für moderne Kunst' von Christian Saehrendt und Steen T.Kittl Dumont Literatur und Kunst Verlag, Köln]

 

 

 

 

Wenn Sie [als "Außenstehender"] Kunst kritisieren und obigen Text nicht "verstehen" (wollen), bzw. nicht "würdigen", werden Sie mit großer Sicherheit als der Kunst nicht würdig, als "kunstdumm", oder als kunstfremder Aggressor abgehandelt. Gegenwartskunst verträgt keine Kritik. Sie gelten als Attentäter auf die postulierte Kunstfreiheit. Sie werden auch kaum jemanden finden, der als aktueller Künstler, Händler oder Sammler Kunst kritisiert, die es in ein Museum geschafft hat. Die Angst als "Nestbeschmutzer" einen der wenigen Plätze im streng bewachten lukrativen Kunstmarkt zu verlieren ist übergroß. Alle klammern sich an den Strohhalm der anerkannten, erklärungsbedarfsfreien Kunstfreiheit, einen ähnlichen Freibrief haben nur noch die von "Männerhänden" gemachten organisierten Religionen. 

"Die meisten Leute verstehen nichts von Kunst. Wichtig ist, ihnen nichts zu erklären."  Santiago Sierra (spanischer Konzeptkünstler geboren 1966)  

Minimalkunst als Akt der Verweigerung und als gesellschaftspolitisches Instrument des Widerstandes [Beuys & Co] hatte zumindest vorübergehend eine Funktion. Die tausendste Wiederholung der Symptomatik ohne erkennbare Ursache als Kunst zu präsentieren, führt zur wirkungsfreien Assimilation der Gemeinnützigkeit von Kunst. Hochgehandelte aktuelle Künstler und deren Kunstprodukte ohne Fertigkeits-, und Aussagemerkmale sind schlicht bedeutungslos. Die willkürliche Kapitalisierung einiger, weniger Kunst durch kapitalpotente, ausbeutende Eliten ist in einem größeren Bild der SuperGAU für die Unabhängigkeit und Freiheit (der Kunst).

Wolfgang Ullrich (geboren 1967, Professor für Kunstwissenschaft & Medientheorie) schreibt...'So wie man die Kunst „an sich“ schätzt und sich darin gefällt, sie als Mysterium zu verehren, will man auch von den Künstlern nichts anderes, als daß sie Kunst machen... Polemisch formuliert: Die Gesellschaft – letztendlich nur eine kleine Minderheit davon – hält sich die Künstler aus Gründen des Lustgewinns und lässt sie entsprechend einseitig erziehen. Dies ist um so zynischer, als die meisten Absolventen von Kunsthochschulen feststellen müssen, daß Galerien oder Kunstvereine sie gar nicht mögen. So bleiben sie, sofern sie keinen anderen Beruf erlernt haben auf schlecht bezahlte Gelegenheitsjobs angewiesen und erfahren immer wieder leidvoll, daß ein gemäß dem Autonomie-Dogma angelegtes Kunst-Studium im Unterschied etwa zu einem geisteswissenschaftlichen Studium nichts vermittelt, was auch anders wo helfen könnte.' [Aus: Gesucht: Kunst! Phantombild eines Jokers von Wolfgang Ullrich  Verlag Klaus Wagenbach Berlin 2007]

 

 

 

Wie entsteht [konventionelle] erfolgreiche Kunst ? Markt und Kreative

Der Künstler entdeckt früher oder später in seinem Leben die Notwendigkeit, nicht selten obsessiv, etwas zu kreieren, was gemäß seiner Bewertung als Kunst anerkannt werden, und ihm möglichst viel Aufmerksamkeit, Ruhm und Ehre einbringen sollen. Kunstkenner und Kunstmakler nahmen sich im Erfolgsfall seiner an, und propagieren die Wichtigkeit des „neuen“ Künstlers. So genannte Kunstliebhaber freuen sich über ein neues Target. Im besten Fall macht die neue Kunst „Allen“ „Spaß“ und wird zur gesellschaftlich etablierten Kunst. Aus einem Pool von (vielen) ambitionierten egozentrischen Menschen, mit mehr oder weniger Begabung und Originalität, steigen Wenige in die zeitgenössische gutbezahlte Kunstgesellschaft auf. Plakativ gesprochen ist Kunst kapitalistische Willkür. Der Investor mit dem nötigen Geld und umgeben von einer historisch gewachsenen Lobby dokumentiert und postuliert durch den Ankauf von beispielsweise Farbe auf Papier, Dreck in der Ecke oder durchaus komplexen Arrangements jeglicher Art eine Wertigkeit. Erfolgreiche Künstler sind die befreiten Sklaven ihrer nostalgisch verklärten Lebensidee. Die Masse vergleichbar interessanter Mitstreiter lebt in Frust und Armut ein durchschnittliches Leben als verkannte Kunstgenies. In kaum einem anderen Lebensbereich, in keiner anderen „Arbeitssituation“ ist der Faktor Willkür ähnlich groß. Die nüchterne, egoistisch motivierte, wenig „feine“ Gesellschaft leistet sich den mehr oder weniger teuer bezahlten (wertlosen) Luxus namens Kunst, um in letzter Konsequenz doch wieder durch entsprechenden Kunsthandel Geschäfte zu machen.

 

 

Ausschließungsprinzipien

Es gibt einen fundamentalen Zusammenhang zwischen der gesellschaftlichen Entwicklung und der unkritischen, fast schon leblosen [deutschen] zeitgenössischen Kunst, insbesondere  der Kunst "lebender" [deutscher] Künstler, deren Machern und Geldgebern und dem "Rest" der Kreativen. So wie die meisten Menschen auf dieser Welt mehr oder weniger zunehmend am Rande der Armut leben, so lebt und arbeitet das Gros der Künstler ohne Perspektive am Rande des Kunstmarktes.

Das bisschen egosentimentales, emotionales Trallala der wenigen "angesagten" Künstler, wenn überhaupt noch vorhanden, entspricht einer Totalkapitulation der Kunstfreiheit. Wenn nicht die Kunstfertigkeiten der aktuellen Arbeiten neue Tiefstwerte erreichen, dann sind es mit absoluter Gewissheit die (fehlenden) Aussagen. Es war immer schon en vogue möglichst keine Aussagen innerhalb der Kunst zu offerieren, womöglich käme man sonst leichter dahinter, daß die Basis der meisten Kunst "Bullshit" ist, wie es Hugh Grant so "künstlerisch" formulierte.

In der Kunst werden gerne folgende drei Ausdrücke verwendet: Diskurs, Allegorie(n) und Rezeption. Alle drei sind Bullshit. Erfolgreiche, zeitgenössische Kunst wird im 21.Jahrhundert (leider) ausschließlich von Banken, Versicherungsgesellschaften, Energiekonzernen und dergleichen, und deren «Privatabkömmlingen» in Gestalt von Managern, Großindustriellen, allgemein «methodischen Menschenausbeutern» postuliert, gesponsert und gewinnbringend kapitalisiert. Die voranschreitende globale Kapitalvermischung mit arabischen Protagonisten installiert Zug um Zug eine islambasierende Kunstzensur, die es in dieser Härte und Vielfalt seit der «Aufklärung» noch nie für den europäischen Kontinent gegeben hat. Die rasant [wieder]aufkeimende amerikanische «Religiosität» und die systemgenerierte chinesische Zensur spülen inflationär weitere kapitalpotente Zensoren als Macher der Kunst in den «Markt». Systemtreue Galeristen und Kunsthändler weltweit sind die dollarhechelnden Handlanger und im Ergebnis die Verräter der freien Kunst.